31.05.2021

Das Biosphärenreservat von A bis Z

Seit 1996 gehört das Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft zur weltweiten Familie der UNESCO–Biosphärenreservate. Anlässlich des 25jährigen Jubiläums der Anerkennung im Jahr 2021 gibt die Themenreihe "Das Biosphärenreservat von A bis Z" ausgewählte Einblicke in Projekte, Ereignisse, Besonderheiten sowie die erstaunenswerte Flora und Fauna des Gebietes.


Alte Sorten und Rassen

Foto: Bodo Hering

Alte Getreidesorten

Vor hundert Jahren waren bei uns Getreidesorten weit verbreitet, die völlig in Vergessenheit geraten sind. Diese bringen geringere Erträge als die heutigen konventionellen Sorten, sind aber für ein Wachstum auf unseren trockenen, armen Sandböden viel besser angepasst und zum Teil widerstandsfähiger. Das macht Sie für den Anbau wieder hochinteressant.

Schon seit 1997 werden auf Initiative der Biosphärenreservatsverwaltung durch verschiedene Agrarbetriebe alte, historische Getreidesorten wieder angebaut. Aktuell stehen rund 373 ha alte Getreidesorten im Feld – auch bei der Biosphärenreservatsverwaltung in Wartha. Aus dem Korn werden qualitativ hochwertige Produkte, wie Champagnerroggenbrot oder das Spezialbier „Heidebräu“ hergestellt. Diese können im HAUS DER TAUSEND TEICHE und bei zahlreichen Partnern erworben und genossen werden.


Foto: Bodo Hering

Blühflächenprojekt

Immer mehr Insektenarten verschwinden für immer von unserer Erde. Honig- und Wildbienen finden kaum noch Nahrung, weil es auf landwirtschaftlichen Nutzflächen nach der Rapsblüte oftnur ein geringes Nektar- und Pollenangebot gibt. Doch ohne Bienen keine Blütenbestäubung und damit auch keine Früchte und blühenden Wiesen, keinen Honig.

Seit 2011 unterstützt die Biosphärenverwaltung die Anlage von Blühflächen durch Landwirte und Imker mit speziellen Blühmischungen. Seitdem stieg die Blühfläche im Biosphärenreservat auf über 800 ha an.


Foto: Dirk Weiß

Coleanthus subtilis – Scheidenblütengras

Coleanthus subtilis, das Scheidenblütgras, ist eines unserer kleinsten und seltensten Süßgräser. Es wurde in den letzten Jahren in Deutschland nur an wenigen Standorten in Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und Sachsen, unter anderem bei uns im Biosphärenreservat, gefunden. Zum Wachsen braucht das Scheidenblütgras zeitweise trockenfallende Schlammböden. Die abgelassenen Teiche im Biosphärenreservat bieten dafür ideale Bedingungen.

Die Samen können über 20 Jahre im Boden überdauern. Unter günstigen Bedingungen kann es plötzlich dort wieder auftauchen, wo es jahrelang fehlte. Ein echter Überlebenskünstler!

Anzahl und Vorkommen im Biosphärenreservat werden seit 2006 ständig durch die Mitarbeiter der Naturwacht erfasst. Und anscheinend fühlt es sich hier sehr wohl – die Zahl stieg seitdem stetig an.


Foto: Biosphärenreservatsverwaltung

Daubaner Wald 

Das Herzstück des Biosphärenreservates – der Daubaner Wald. Nirgendwo findet man so viele seltene Biotope auf engstem Raum. Der einstige Truppenübungsplatz ist ein etwa 3000 ha großes Waldgebiet, überwiegend mit Kiefern bewachsen. Darin vorkommende Erlenbruchwälder, Feuchtwiesen, Kleingewässer und Offenlandbereiche mit Magerrasen und Heiden bieten Lebensraum für viele Pflanzen- und Tierarten. Raritäten wie die Wiesengladiole sowie Wolf, Seeadler und Wiedehopf haben im Daubaner Wald eine Heimat gefunden. All das macht ihn zu einem wichtigen Naturschatz in Deutschland.

Die DBU Naturerbe GmbH als Eigentümerin der Fläche möchte die Waldflächen nach und nach der Natur überlassen. Wiesen und Teiche sollen weiter nachhaltig und extensiv bewirtschaftet werden. Damit dient der Daubaner Wald als Beispiel für ein harmonisches Zusammenspiel von Mensch und Natur.


Foto: Dirk Weis

Eisenberg

Einst gab es fünf Vulkane rund um das heutige Baruth – der 163 m hohe Eisenberg bei Guttau ist einer davon. Auf kleinster Fläche findet man hier eine beeindruckende Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren vor. Mehrere Arten der Roten Liste, wie Steppensesel, Pechnelke und Kleiner Schillerfalter fühlen sich auf dem Basaltkegel wohl. Um diese Kostbarkeiten auch weiterhin zu erhalten, werden die Flächen regelmäßig durch Beweidung und Mahd gepflegt. 


  Dirk Weis

Foto: Dirk Weis

Flussseeschwalbeninsel

Seit April kann man die weißgrauen Flussseeschwalben wieder im Biosphärenreservat beobachten. Der in Afrika überwinternde Zugvogel brütet in Kolonien und kann so seine Nester gemeinsam gegen Fressfeinde verteidigen.

Weil die natürlichen Brutgebiete immer weniger werden, gibt es im Biosphärenreservat zwei Flussseeschwalbeninseln - in der Teichgruppe Guttau und auf dem Tauerwiesenteich. Dort können die Flussseeschwalben ihre jeweils 2-4 Eier ausbrüten. Der Bestand der stark gefährdeten Art stieg seitdem jährlich an. Allein im Jahr 2020 gab es ca. 130 brütende Paare.  Somit ist die Kolonie im Biosphärenreservat die größte in Sachsen.


 

Foto: Dirk Weis

Göbelner Heide

Nicht nur zur Blütezeit im August und September sind Heiden atemberaubende und einzigartige Landschaften.

Die Göbelner Heide war einst militärischer Truppenübungsplatz. Nach der Einstellung des Betriebes siedelten sich auf der kargen Sandfläche Silbergras, Felsennelke und Besenheide an. Das extreme Kleinklima gefällt vielen seltenen Vogel- und Insektenarten wie Wiedehopf, Gottesanbeterin oder Feldgrille. Damit diese Kulturlandschaft erhalten bleibt, wird sie traditionell durch Schafbeweidung gepflegt.


 Torsten Kellermann

Foto:Torsten Kellermann

HAUS DER TAUSEND TEICHE 

Zu einem Besuch im Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft gehört das HAUS DER TAUSEND TEICHE unbedingt dazu. Das 2012 eröffnete Informationszentrum beleuchtet mit einer Erlebnisausstellung die traditionelle Karpfenteichwirtschaft und das Zusammenspiel von Mensch und Natur.

Wusstet ihr, dass es den im Haus gezeigten Einführungsfilm über das Biosphärenreservat jetzt auch in anderen Sprachen gibt? Auf Englisch, tschechisch, polnisch und sorbisch können ihn nun auch unsere anderssprachigen Gäste in vollen Zügen genießen!

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